Zechbauer Royales Coronas

Endlich war es wieder möglich, am Opernplatz in München eine altehrwürdige Adresse aufzusuchen. 1830 gegründet – heute ein Traditionshaus für Tabakwaren und Cigarren. 1886 wurde Max Zechbauer zum Königlich Bayerischen Hoflieferanten ernannt. Ja, ich ging wieder ins Zechbauerhaus und ließ mich vom heutigen Managing Director, Mirko Pettene, beraten und nahm seine Empfehlung, die Royales Coronas zu probieren dankend an.

Das altehrwürdige Zechbauerhaus am Opernplatz in München (Picture by @treeburn103)

Die Coronas aus der Premiumlinie Royales ist ein handgerollter Longfiller, dessen Tabake sieben (!) Jahre reifegelagert und von Mirko Pettene zusammengestellt wurden. Die Cigarre hat eine Länge von 15 Centimetern und einen Durchmesser von 16 Millimetern. Sie hat auch ein gewisses „Gewicht“, fühlt sich eher hart, als weich an und hat ein leicht öliges Deckblatt, welches wenige dünne Blattadern aufweist. Die Cigarre erscheint vollmilchbraun und verführt zum Probieren. Auch den Anschnitt hält sie sehr gut aus (V-Cut). Es entstehen keinerlei Einrisse. Der Kaltzug weist einen mittelstarken Zugwiderstand auf. Die Cigarre sieht also super aus und ist auf absolutem Premiumniveau verarbeitet!

So viel zu den Eckdaten…

Der Kaltgeruch der Royales ist sofort vielversprechend. Röstaromen, die leicht an Kaffee erinnern, werden von Leder und Zedernholz getragen. Bereits hier zeigt sich eine leichte subtile Süße, welche ich noch am Ehesten in der Rubrik „Kakaobohne“ verorten würde. Diese Eindrücke kommen relativ satt und kündigen die mineralische Würze beim Rauchen an.

Die Brandannahme ist absolut tadellos. Interessanterweise lässt mit dem anzünden der Cigarre der ursprüngliche Zugwiderstand beim Kaltzug nach. Auch die Rauchentwicklung ist voll zufriedenstellend.

Bei den ersten Zügen tritt eine würzige Schärfe in den Vordergrund. Allerdings lässt diese auch schnell wieder nach. Rückblickend betrachtet brauchen die satten Aromen den ersten halben Centimeter, um sich miteinander einzupendeln. Die Coronas bleibt auf würzig-kräftigem Niveau: Erde/Mineralien, satter Tabak, Röstaromen/Toastung und das unverwechselbare Sattelleder.

Zur Raumnote kann ich an dieser Stelle nur schreiben, dass ich selten so angenehm bei einer Cigarre erlebt habe! Diesbezüglich erfüllt sie das Klischee, eine Münchner Cigarre zu sein im Positiven. München, eine herzhafte Stadt mit Bier, Schweinsbraten, Bayrischcreme, gebrannten Mandeln … da muss man sich als Cigarre seinen Platz und Wiedererkennungswert verschaffen. Die Coronas zeigt sich selbstbewusst und macht neugierig – eine königliche, selbsterklärende Aufdringlichkeit, die von Klasse zeugt!!!

Nach dem ersten Centimeter tritt die Süße etwas mehr in den Vordergrund, wird jedoch von zusätzlichen Zedernholzaromen würzig eingefasst. Das heißt, die Coronas „kippt“ geschmacklich nicht um oder neutralisiert sich gar. Einigen Cigarren, die ich probierte, passierte dies schon. Die Royales Coronas bleibt vollmundig.

Der Abbrand ist gleichmäßig und der Aschekegel ist stabil mit äußerst wenigen Rissen. Die Asche des Deckblattes zeigt sich eher weiß, als grau. Der Rauch selbst ist bezüglich seiner Konsistenz eher cremig. Dadurch wird die Würze, das mineralische Prickeln angenehm getragen. Nach dem Ende des ersten Drittels verstärkt sich die Würze nochmals. Das Leder, die Mineralien sowie das Zedernholz bleiben konstant. Das alles wird von einer noch immer nur leicht an Kaffee/Kakaobohne/dunkle Schokolade anmutenden Süße „hintergrundaktualisiert“.

Ab der Hälfte hat sie sich absolut auf dem oben beschriebenen hohen Niveau eingependelt. Die Raumnote betört noch immer. Die Vollmundigkeit – Intensität wäre zuviel an dieser Stelle – bleibt durch langsames Rauchen aufrecht erhalten. Stärkeres Ziehen pusht die Würze sofort nach oben und würde die Royales in eine geschmackliche Eindimensionalität verbannen.

Zum Ende des zweiten Drittels entsteht hin und wieder ein würziges Prickeln, welches am Rande der Schärfe balanciert. Zeit, die Cigarre abzulegen …

Fazit: die Zechbauer Royales Coronas wird immer wieder in meinem Humidor landen. Allerdings ist sie in meinem Verständnis keine Cigarre für nebenbei. Sie erfordert definitv Aufmerksamkeit, Zeit und die Ruhe, sich auf ein Genusserlebnis einzulassen. Die Komplexität hält sich in Grenzen, da ihre Anteile eindeutig sind. Das macht sie bei aller Vielseitigkeit nicht allzu komplex. Sie gehört somit absolut in den Humidor, möchte allerdings die Aufmerksamkeit royaler Ehrung erhalten. Eine Stunde und sechs Minuten (66 Minuten) traditioneller Münchner Rauchgenuss.

Ein weiteres Fazit: Zechbauer verkauft die Premiumserie Royales als Hausmarke. Bei dieser Qualität kommt mir schon der Gedanke, dass es sich insgesamt um eine Eigenmarke, wie beispielsweise Davidoff, Romeo y Julieta, Alec Bradley, … etc. handeln könnte. Klar, sie wird exklusiv bei Zechbauer im Geschäft und online verkauft. Dennoch kann ich mir sehr gut vorstellen, diese Serie demnächst bei anderen großen Online-Händlern zu finden – das Potential hat sie!

  • Costa Rica
  • Alter 7 Jahre
  • Preis 6,90 €
  • Rauchdauer 66 Minuten
Zechbauer Royales Coronas (Picture by @treeburn103)
Zechbauer Royales Coronas
  • Preis/Leistung
  • Qualität
  • Geschmack
4.3

Gerry Lächnfinga

Ich liebe Cigarren, destillierte Getränke und die teilweise philosophische Frage darüber, was Genießen grundsätzlich ausmacht. Auch in meinem Podcast "Die Cigarrencouch - im Rauchkanal der Lebensfragen" gehe ich so manchen Alltagsthemen auf die Nerven;-) Allerdings nicht, ohne dabei eine gute Cigarre zu genießen. In diesem Sinne, servus baba, küss´ die Hand. Instagram: @die_cigarrencouch All Pictures by @treeburn103

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